Leserbrief zur Berichterstattung über das Versickerungsbecken in Ilvesheim

von NabuAdmin

Hier:

  • Bericht : Gemeinde muss mit Gutachten auf Vorwürfe reagieren
  • Kommentar: „Kirche im Dorf lassen“

    Beide, sowohl Bericht als auch Kommentar, sind m.E. nicht nur mit starker Tendenz in eine Richtung, sondern auch weitgehend ungetrübt von Sachkenntnis.

    Daher bitte ich um Veröffentlichung meiner nachfolgenden Anmerkung.

1. Die Hinweise auf die Bemühungen der Gemeinde Ilvesheim, sowie auf das „Wasserloch“ (= Weiher Mahrhöhe) ändern nichts an der Tatsache, dass beim Versickerungsbecken gegen bestehende Gesetze verstoßen wurde.

  • Auf die Verdienste Ilvesheims in Sachen Naturschutz hat der Nabu Mannheim schon des Öfteren hingewiesen, nicht zuletzt auf die ausgezeichnete Biotopverbundplanung der Gemeinde.
  • Der „Weiher Mahrhöhe“ ist tatsächlich ein schönes Biotop, um das sich die Gemeinde und vor allem auch die Angler sehr bemühen. Er ist und bleibt aber ein Fischwasser, der erwähnte „Flachwasserbereich als Laichzone“ soll den Fischen die natürliche Vermehrung ermöglichen. Dies ändert aber nichts an der Tatsache, dass Fische und Amphibien sich „nicht gut vertragen“, denn nicht nur Raubfische wie Hecht und Barsch, sondern auch „Fried“-fische wie z.B. der Karpfen haben Kaulquappen zum Fressen gern.

    Der Kommentator schlägt vor, die Kröten in den Weiher umzusiedeln „nach dem Motto: lieber zupacken statt anklagen“.
    Dieses Motto möchte ich gerne in veränderter Form zurückgeben: „lieber erst sachkundig machen, dann gute Ratschläge erteilen“.

2. „das Versickerungsbecken ist eine technische Anlage“
Früher wurde das Regenwasserproblem wirklich rein technisch gelöst: Der Regen lief vom Dach oder vom versiegelten Parkplatz in den Abwasserkanal und entweder direkt oder über eine Kläranlage in den Fluss. Aus Gründen des Umweltschutzes wird heute in den Bebauungsplänen oft ein Versickerungsbecken gefordert:

  • a)  Um das Grundwasser zu vermehren
  • b)  Zur Schaffung eines Biotops als Ausgleich für die versiegelten Bauplätze

Das Abpumpen des gesammelten Regenwassers in den Abwasserkanal kann demnach sicher nicht der Beste Gedanke sein, vor allem nicht wenn dadurch der Weg für den nächsten Verstoß geebnet werden soll, nämlich das verbotene Mähen des Schilfes während der Brutzeit (März bis September).

3. Blick in die Zukunft:

Aufgrund widersprüchlicher Anforderungen sollte m.E. unbedingt ein Management und Pflegeplan für dieses Biotop erstellt werden.

Hierfür gilt:

  • a)  Im Interesse der Röhrichtbrüter (z.B. Teichrohrsänger) darf außerhalb der Brutzeit immer nur die Hälfte des Schilfes gemäht werden, die andere Hälfte dann im nächsten Jahr.
  • b)  Im Interesse der Limikolen (Watvögel, z.B. Bruchwasserläufer) sollte der Wasserstand wechseln. Vor allem während der Zugzeiten im Frühjahr und Herbst ist es von Vorteil, wenn trockengefallene Schlammflächen zur Verfügung stehen.
  • c)  Im Interesse der Amphibien (vor allem der auf der roten Liste stehenden Kreuzkröte) darf das Gewässer im Hochsommer durchaus einmal ganz trocken fallen, da dann der evtl. von Enten eingetragene Fischlaich sich nicht weiterentwickelt.
  • d)  Sollte die Austrocknung drohen, bevor die jungen Amphibien das Gewässer verlassen haben, wäre ein maßvoller Wassernachschub möglich, um die Population zu unterstützen. (keinesfalls Trinkwasser für 15000 Euro)
    Dies wäre m.E. auch die beste Lösung für die derzeitige Konfliktsituation.

4. Schluss:
Mein Motto war schon immer: rechtzeitig miteinander Reden ist besser als hinterher zu streiten! Daher hoffe ich auf:

  • Unterstützung des MM durch Veröffentlichung dieser Gedanken, welche dazu beitragen sollen, das anstehende Problem zu lösen.
  • Gesprächsbereitschaft auf Seiten der Gemeinde Ilvesheim, in Zukunft möglichst schon vor der Schaffung vollendeter Tatsachen.
  • Aufstellung eines optimalen Pflegeplanes für dieses schöne Biotop.
  • Selbverständlich ist der NABU jederzeit bereit dabei konstruktiv mitzuarbeiten.

Mit freundlichen Grüßen

Paul Hennze
(Vorsitzender NABU Mannheim)

Zusätzlich können Sie den Leserbrief auch als pdf-Datei auf Ihren Rechner herunterladen

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