Einzigartige Vielfalt auf Coleman

von Gunther Mair

Nach Antrag des NABU 2012, auf Coleman ein Naturschutzgebiet auszuweisen, wurde 2014 vom Regierungspräsidium Karlsruhe eine Biotopkartierung durchgeführt. Der Gutachter und Hauptkonservator Aly schreibt in der Einleitung: "Coleman überraschte uns mit einer unerwarteten Dichte und Fülle auch seltenster Tierarten".
Insgesamt wurden über 160 gefährdete Tierarten (nach Roter Liste Baden-Württemberg) gefunden.

Auf 73 Hektar im Nordwesten, im Bereich des Flugfeldes, wurden z. B. gefunden:
Unter den Vogelarten die vom Aussterben bedrohten Braunkehlchen und Steinschmätzer, die stark gefährdete Grauammer und, in einer ungewöhnlichen Brutdichte, 20 Brutpaare der gefährdeten Feldlerche.
34 Arten Laufkäfer, davon 41 % gefährdet,
39 Arten Wildbienen, davon 33 % gefährdet,
9 Heuschreckenarten, darunter die gefährdete blauflügelige Ödlandschrecke,
84 Spinnen, darunter zwei stark gefährdete Arten.

Auf einer nordöstlich gelegenen Silbergras-Sandrasenfläche von nur 2 Hektar fand man 15 Vogelarten, 68 Wildbienenarten, 93 Spinnenarten, 31 Laufkäferarten, usw., usw., darunter 64 gefährdete Spezies. Es wurden auch 7 Fledermausarten identifiziert, die das Gebiet zum Jagen nutzen.

Ein drittes Areal im Südosten von 4 Hektar, ebenfalls mit saurem, mageren Sandboden, lieferte ähnliche Ergebnisse.

Ursache für diesen lokalen Artenreichtum ist die Tatsache, dass sich auf dem Militärgelände der Originalboden (trockener Sand) mit Flora und Fauna erhalten konnte, da der Boden nicht landwirtschaftlich genutzt, d. h. nicht gepflügt, gedüngt und gewässert wurde, sondern ausschließlich, wegen des militärischen Gebrauchs, von hochwachsender Vegetation freigehalten wurde. Dies ist ein Beispiel für 60 Jahre Biotopschutz durch schlichte Nicht-Nutzung.

Wie kann eine künftige Gestaltung aussehen?
Das Gutachten gibt eine Vision vor:
"Offenheit und Weite sind die charakteristischen Eigenschaften dieser Landschaft. Die Weite wird betont und erlebbar durch Sicht auf ausgedehnte Trockenrasenflächen, in denen Blühhorizonte oder Herden vo Zwergsträuchern, Blütenpflanzen und Pflanzen mit farbigem Laub Kontraste bilden. In Siedlungsnähe wäre eine halboffene, parkartige Gestaltung mit den oben genannten Baumarten [Waldkiefer, Stieleiche, Hainbuche, Vogelbeere, Birke] landschaftsgerecht (Lichtwald). Der Lichtwald schützt vor den Extrema des Klimas und vermittelt Geborgenheit. er verträgt das Betreten. Gleichzeitig entspricht er der potenziellen natürlichen Vegetation auf mergeligen Standorten in Sandflächen und bietet den schattentoleranteren Arten der Sandrasen Lebensraum."

Daneben werden konkrete Empfehlungen gegeben:
Das Flugfeld sollte mit einem umlaufenden und ansonsten wenigen Wegen erschlossen werden und der Zaun erhalten bleiben, beides Maßnahmen um den trittempfindlichen Boden zu schützen. Es sollte einmal im Jahr abgemäht oder mit Eseln beweidet werden - diese haben sich bewährt, da sie weniger umherlaufen als z. B. Schafe, und sie Liegekuhlen bilden, die die natürliche Sukzession der Sandrasenvegetation unterstützen. Informationstafeln an den Wegen sollen auf die Flora und Fauna sowie auf die Verhaltensregeln hinweisen.
Soweit vorhanden, soll Ruderalvegetation entfernt werden.
Die Beplanung der umgebenden Flächen hat die Naturschutzbelange zu berücksichtigen und ist mit dem Regierungspräsidium abzustimmen.  

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