Naturschutzgebiet auf Coleman

von NabuAdmin

Sandrasen auf Coleman Barracks; © Ch. Schröter

Die Coleman Barracks im Westen des Käfertaler Waldes, mit 216 ha Fläche, liegen auf Sandboden. Binnendünen und Sandrasen gehören zum Naturerbe Baden-Württembergs, diese Biotope sind nach der FFH-Richtlinie (Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union) und nach dem BNatSchG (Bundesnaturschutzgesetz) zu schützen.
Militärkonversionsflächen bieten durch die oft jahrzehntelange Nicht-Nutzung (keine Düngung, kaum Eingriffe) häufig gute Voraussetzungen für das Vorkommen diverser Arten, die auf diese speziellen Biotope angewiesen sind - im vorliegenden Fall nährstoffarmer, kalkarmer Sandboden.
Der NABU Rhein-Neckar-Odenwald beantragte vor diesem Hintergrund im August 2012 beim Regierungspräsidium Karlsruhe die Ausweisung zweier Flächen von zusammen 40 ha als Naturschutzgebiet. Die größere Fläche ist Sandrasen, die kleinere ein lichter Kieferwald auf einem Sanddünenuntergrund.


Ein erfolgreich durchgeführter Parallelfall ist der sogenannte "Alte Flughafen" in Karlsruhe. Auf demselben geologischen Untergrund (nährstoffarmer Sandrasen) lag, mitten im heutigen Stadtgebiet, von 1945 bis 1993 ein US-amerikanischer Militärsperrbezirk. 2001 wurde er mit ausgewiesenen Wegen der Öffentichkeit zugänglich gemacht, 2006 wurde er als FFH-Schutzgebiet ausgewiesen (Habitate 2330 "Binnendünen mit Magerrasen" und 6230 "Artenreiche Borstgraswiesen", s. Regierungspräsidium Karlsruhe, Gebietssteckbrief), 2010 als Naturschutzgebiet ausgewiesen (54 ha).
"Von selbst" passierte dies nicht, wie ein Zitat des Umweltministeriums Baden Württembergs aus der Phase nach der Rückgabe des Geländes zeigt:
"Ein Tauziehen um die weitere Nutzung beginnt. Im Vordergrund stehen natürlich städtebauliche Begehrlichkeiten, liegt die Fläche doch inmitten der stark expandierten Großstadt Karlsruhe. Nach vielen Diskussionen setzen sich Natur- und Umweltschutz letztendlich durch."

Eine vom Staatlichen Museum für Naturkunde Karlsruhe betreute Internetseite listet auf, welcher Reichtum auf diesen 54 ha bereits gefunden wurde:
- 86 Vorgelarten, davon 20 streng geschützt (BNatSchG), sowie 10 auf der RLBW (Rote Liste der gefährdeten Arten Baden Württemberg) mit Status "stark gefährdet" oder "vom Aussterben bedroht",
- 281 Pflanzenarten, davon 12 "gefährdet" oder "stark gefährdet",
- 123 Spinnenarten, davon 12 "gefährdet" oder "stark gefährdet",
- 11 Ameisenarten, davon 3 "gefährdet",
- 111 Nachtfalter, usw., usw.,
insgesamt 943 verschiedene Arten. Die Untersuchungen sind nicht abgeschlossen.

Schutz der Biodiversität fängt vor der Haustür an! 

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