Ein Igel namens "Husti" .......

von Christine Schröter (Kommentare: 0)

…kam im Herbst 2019 in menschliche Obhut.

Gerade mal ein halbes Jahr jung und keine 400 Gramm brachte der Kleine auf die Waage. Husti wurde geplagt von ständigem Husten. Der Husten erinnerte an Jalousinen, die sehr schnell nach unten fallen, oder an ein Türschloss, dass mehrmals schnell hintereinander zugeschlossen wird. Nach fleißigem „Kot-Sammeln" für das Labor war klar: Lungenhaarwürmer. Eine Behandlung mit Panacur verschaffte Husti deutliche Linderung. Zusätzlich gab es regelmäßig Fencheltee-Aufguss.

Der tapfere Mann erholte sich, die Tage wurden kälter, aber nicht kalt genug. Bei den recht milden Temperaturen im Dezember dachte Husti noch lange nicht daran, in seinen ersten Winterschlaf zu gehen. Denn vorher ist er noch ausgebüchst und machte erst mal einen Spaziergang um den Wohnblock. Zumindest hoffte ich das, denn es hätte ALLES passieren können. Hier verlor sich bisher jede Spur.

Nachdem sein Verschwinden überhaupt bemerkt wurde (es war verdächtig ruhig im Igelhaus), ist die Dunkelheit bereits eingebrochen und die Uhr zeigte buchstäblich im numerischen Sinne auf 5 nach 12 ! Abergläubige Menschen würden dies als wahrhaft schlechtes Omen deuten. Die Dunkelheit war mir gleichgültig, die Sorgen um den kleinen Ausreißer dafür umso grösser. Und so machte ich mich mit einer mickrigen Taschenlampe bewaffnet, auf die Suche.

Die Suche im stockdunklen, streng gepflegten Grünbereich fühlte sich an wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Natürlich ging ich leer aus, und konnte Husti einfach nirgendwo finden. Ich war niedergeschlagen und im Inneren bereits beim Verabschieden des Tieres, als plötzlich…..

Siehe da! Ein stacheliges Etwas kauerte am Wegrand des Innenhofs entlang. Mein Herz schlug schneller. Zielgerichtet steuerte ich schleichend auf das Tier zu, nahm es sachte in beide Hände, und wurde dafür ordentlich angefaucht. Es war eindeutig Husti. Er suchte sein Schlafnest, konnte es riechen, und war schon ganz nah dran. Meine Niedergeschlagenheit war sofort verflogen, denn jetzt wusste ich das Husti lebt. Die Umgebung des Wohnblocks wird sehr igelfeindlich gepflegt, dazu liegt der Block direkt an Straßenbahn-Schienen und der gut befahrenen B3. Es grenzte also schon fast an ein Wunder, das Husti völlig unversehrt war.

Im frühen Februar war es dann endlich so weit: Der Winterschlaf kam. Leider blieb es nicht lange kalt, denn am 8. April wachte der kleine Mann schon wieder auf. Er wurde 3-4 Wochen nach dem Schlaf zugefüttert, um wieder sein gesundheitlich stabiles Gewicht zu erreichen. Schließlich braucht der junge Teeny einen guten Start für die zukünftige Freiheit.

Anfang Mai kam schließlich seine Freilassung. Nach unendlich vielen Überlegungen, wo ich Husti halbwegs geschützt und mit Nahrungsmöglichkeiten raus lassen könne, fiel die Entscheidung auf einen recht naturbelassenen Privatgarten - leider heute nur noch sehr selten zu finden.

Fazit: ein Tier pflegen zu dürfen, ist ein großes Geschenk, denn die Einblicke aufgrund von Verhaltens-Beobachtungen bleiben eingeprägt und man lernt eine unglaubliche Menge dazu.

Liebe Leserinnen und liebe Leser, mit dieser Geschichte möchte ich Sie und Ihre Mitmenschen hinsichtlich Igel und anderen bedrohten Tierarten sensibilisieren. Ein wenig mehr Rücksicht, Achtsamkeit und weniger „Ordnungswahn“ in unseren Gärten und der gesamten Landschaft würden dem Igel und anderen Tieren schon sehr helfen.

(Text und Fotos: Jolene L. - Fotos vergrößern durch Anklicken)

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