Das Mexikanische Federgras (Nassella tenuissima) – Ein invasiver Neophyt auf dem Vormarsch in Mannheim

von Gabi Parthenschlager

(Text: Markus Schrade) Die auch Engelshaar oder Zartes Federgras genannte Art stammt ursprünglich, wie der
Name schon verrät, aus Mexiko; kommt aber auch in Teilen der USA sowie Argentinien
vor. Das Süßgras wurde bereits 2008 in Kehl und Offenburg (wild vorkommend)
nachgewiesen. (Synonym: Stipa tenuissima). Ansonsten blieb es zwischenzeitlich
weitestgehend unbemerkt. Seit nun ca. 5 Jahren sind jedoch deutliche Veränderungen in
Mannheim zu beobachten. Da die Art bei etlichen Pflanzenhändlern und Gärtnereien
angeboten wird und sowohl bei Gartenbaubetrieben als auch Privatleuten als
Zierpflanze sehr beliebt ist, wurde und wird sie immer häufiger in öffentliche
Grünanlagen und Privatgärten gepflanzt. Diesem Trend hat die BUGA23 in Mannheim
anscheinend nochmal einen Schub gegeben, da dort recht großzügig das Mexikan.
Federgras gepflanzt wurde. Seitdem sieht man im Stadtgebiet die Art noch häufiger
angepflanzt als zuvor und in dessen Folge auch immer häufiger Verwilderungen.
Aufgrund der Anspruchslosigkeit und Ökologie der Art – sie ist sehr gut an das trocken-
warme Klima und nährstoffarme Standorte angepasst – verwildert sie sehr schnell; das
heißt, sie breitet sich (über Samen) rasch über ihre ursprünglichen Anpflanzungsorte
hinaus aus und kann sich dann im Weiteren sehr schnell etablieren bzw. neue Gebiete
besiedeln. Betroffen sind in erster Linie Dünen, Sandrasen, trockenwarme (sandige)
Ruderalfluren und lückige Magerrasen. Allesamt ökologisch wertvolle Biotop-Typen mit
spezifischer und z.T. stark gefährdeter Flora und Fauna.
Zunächst scheint eine Ausbreitung nicht weiter tragisch zu sein. Jedoch muss man sich
die hiesigen Gegebenheiten näher anschauen und im Weiteren gucken, was an anderen
Orten bereits geschehen ist. Die Art hat in Mannheim (und am restlichen Nördlichen
Oberrhein sowie vergleichbaren Gegenden) ein hohes, invasives Potential. Es fängt
damit an, dass sie sich, wie oben beschrieben, sehr schnell räumlich ausbreitet. Die Art
besiedelt gerne schnell (offene) Pionierstandorte und ist dann den dortigen heimischen,
eher konkurrenzschwachen Arten, wie z.B. dem Silbergras (Corynephorus canescens),
Kegelkopf-Leimkraut (Silene conica), Sand-Thymian (Thymus serpyllum), bestimmten
Schafschwingeln (Festuca spp.) uvm überlegen. Zudem hat es bei uns – soweit aktuell
bekannt – keinerlei natürliche Fressfeinde und von Parasiten wird es auch nicht
befallen. Ein weiterer Konkurrenzvorteil. Demzufolge kann es sich sehr schnell
vermehren u. ausbreiten und andere Arten sukzessive verdrängen. Das Ergebnis wäre
eine Art Wüste aus Gras, eine ökologische Katastrophe. Dies kann man bereits seit
mehreren Jahren in Teilen Afrikas und in Australien beobachten. Dort werden jährlich
Schäden in Millionenhöhe verursacht!
Aktuell ist das Mexikan. Federgras (lt. Beobachtungen des Verfassers) vor allem in
folgenden Arealen Mannheims in Ausbreitung: Franklin, Spinelli (Käfertal
Süd/Feudenheim) und Teile rund um die Innenstadt. (Andere Gebiete wären noch genau
zu prüfen.) Die besagten hochwertigen Biotope auf den genannten Arealen selbst als
auch angrenzender Gebiete sind durch das Mexikan. Federgras bedroht. Im Falle von
Franklin sind das die angrenzenden Sandrasen des Käfertaler Waldes und des
Glockenbuckels sowie der Viernheimer Heide. Letztere ist eines der größten und
bedeutungsvollsten Schutzgebiete in Südhessen.
Aufgrund all dieser Erkenntnisse und um weitere ökologische Schäden sowie Kosten zu
vermeiden, wäre es ratsam, einerseits zukünftig auf Anpflanzungen zu verzichten und
andererseits, vorhandene Bestände zu entfernen. (inkl. Wurzeln ausgraben und
anschließend verbrennen.) In diese Richtung gab es schon mehrere Versuche durch den
ehrenamtlichen Einsatz bestimmter Akteure. Jedoch leider nur mit mäßigem Erfolg. In
erster Linie betrifft dies die Umgebung des großen Pavillons (Kuppeldach) auf Spinelli,
wo im Rahmen der BUGA23 (siehe oben) auf Schuttflächen das Mexikanische Federgras
(zusammen mit anderen Arten) als Blickfang großzügig gepflanzt wurde. Über mögliche
Folgen hatten sich die Verantwortlichen Seinerzeit offenbar keinerlei Gedanken
gemacht. Dieser Bereich ist sozusagen ein großer Quelltopf des Federgrases bzw. ein
potentieller Hot Spot der Ausbreitung. Aber auch an der U-Halle und anderen Orten im
Spinelli-Park kommt die Art vor. Man kann dort leicht beobachten, wie schnell sich die
Art von Jahr zu Jahr ausbreitet.
Leider sieht sich die Stadt Mannheim nicht in der Lage, die vorhandenen Bestände zu
entfernen (Kosten, Personal) bzw. entfernen zu lassen. Auch unterschiedliche
Zuständigkeiten, vor allem bei den städtischen Wohnungsbaugesellschaften, spielen
eine Rolle bzw. erschweren ein Vorankommen. Wobei aktuell noch eine reelle Chance
besteht, die Ausbreitung zu verhindern, wenn man es richtig und konsequent angeht.
Wenn das Mexik. Federgras sich irgendwann mal fest etabliert haben sollte, bzw.
‚überall‘ vorkommt, dann wären die Kosten für Bekämpfungsmaßnahmen um ein
Vielfaches höher bzw. es wäre fraglich, ob man diese Art überhaupt wieder loswerden
könnte. Es wäre dann eine ähnliche Problematik wie mit z.B. Götterbaum, Japanischer
Staudenknöterich, Gew. Mahonie oder Spätblühender Traubenkirsche vorhanden.
Daher appelliert der NABU Mannheim weiterhin an die Stadtverwaltung und
Wohnungsbaugesellschaften, Maßnahmen zur Eindämmmung/Bekämpfung des Mexik.
Federgrases zeitnah einzuleiten.


Quellen / Literatur:
https://naturportal-suedwest.de/de/graeser/systematik/art/poales-grasartige/poaceae/nassella/
tenuissima/
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grass (Nassella tenuissima) a potential disaster for Australia. In 12th Australian Weeds
Conference, West Point Convention Centre, Hobart (pp. 658-662).
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The ACT experience. In Weed Biosecurity—Protecting Our Future, Proceedings of the 21st
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Mapaura, A., Canavan, K., Richardson, D. M., Clark, V. R., & Steenhuisen, S. L. (2020). The invasive
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Moran, N. P., Rowles, A. D., & Constantine, A. B. (2018). 10 years after Victoria’s major Mexican
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Sydney, Australia, 9–13 September 2018 (pp. 109-114). Sydney, Australia: Council of Australasian
Weed Societies Inc

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