Der Neckar zwischen Heidelberg und Mannheim feiert Jubiläum!
von Gabi Parthenschlager
(Text: Dr. Regine Buyer)
Ihr fragt euch wahrscheinlich, was für ein Jubiläum kann denn ein Flussabschnitt feiern? Den Fluss gibt es doch seit Millionen von Jahren. Im Februar 2027 ist es jedoch 40 Jahre her, dass der Untere Neckar als eines der ersten Biotopverbundsysteme in Baden-Württemberg ausgewiesen wurde. Der Untere Neckar ist der Abschnitt von Heidelberg-Wieblingen bis Mannheim zum Rhein. Und 2027 wird es zu den Feierlichkeiten auch viele interessante Führungen geben. Ihr könnt euch das ja schon mal vormerken! Mehr Infos dazu wird es beim LNV, dem Landesnaturschutzverband, dem BUND, dem Bund für Umwelt und Naturschutz Heidelberg, NABU, Naturschutzbund Heidelberg und NABU Mannheim geben. Und aktuell gibt es diese Infos und ein spannendes Interview mit Dr. Regine Buyer, Vorsitzende der Ortsgruppe des BUND Heidelberg-Wieblingen, im Bermudafunk in der Sendung vom 23.10.2026: Pflanzen, Menschen und andere Tiere : bermuda.funk - Freies Radio Rhein-Neckar e.V.. (Sendung am 4. Freitag 20 Uhr, Wiederholungen: 2. Dienstag 14 Uhr, 2. Freitag 12 Uhr, 4. Donnerstag 8 Uhr (nur im Internet), 4. Samstag 13 Uhr)
Aber nun von Anfang an: Die Geschichte eines wilden Flusses
Das Wort „Neckar“ stammt aus dem Keltischen und bedeutet „der wilde Geselle“. Nur merkt man davon heute nicht mehr viel. Der Fluss ist fast überall begradigt, in eine sogenannte Badewannenhaltung. Schleusen sorgen für einen recht konstanten Pegel.
Doch früher, vor mehreren Millionen Jahren, mindestens vor 25 Millionen Jahren, grub er sich mit viel Kraft ins Gebirge – in den Odenwald ein, den er heute in Heidelberg auf Höhe des Bismarckplatzes verlässt und in die Oberrheinebene gelangt.
Historisch gesehen floss der Neckar bis vor 2.000 Jahren durch eine große Auenlandschaft mit einem Gewirr von Mäandern, das sind viele kurvige Schleifen, Windungen und Schlangenlinien, sowie Schlingen, Altwässern und verlandeten Armen in Richtung Norden – ins hessische Ried. Vorbei an Weinheim und Lorsch nach Trebur unweit von Oppenheim, um dort in den Rhein zu münden. Also eine Aue mit vielen Flussschlingen, die unterschiedlich viel Wasser führten. Der Lorscher See und einige Feuchtgebiete, wie die Knoblauchs-Aue legen davon Zeugnis ab.
Im 1. Jahrtausend nach Christus durchbrach er die Barriere zwischen Heidelberg und Mannheim und seit dem 9. Jahrhundert wird von einem Mündungsdelta in Neckarau berichtet. Im Zuge der Rheinbegradigung im 19. Jahrhundert wurde die Neckarmündung nach Friesenheim verlegt und es entstand die Friesenheimer Insel. Ja, manchmal würde ich mir wünschen der Neckar könnte aus seiner bewegten Geschichte erzählen.
Bereits die Römer nutzten den Neckar als Wasserstraße für Schifffahrten und zum Flößen. Später wurde getreidelt, das heißt mit Pferden ...auf Wegen am Fluss ..einen Transportkahn zu ziehen. Das machte den Schiffstransport lange Zeit gegenüber der Eisenbahn konkurrenzfähig. Treidel- oder Leinpfade findet man noch heute an vielen Stellen in Heidelberg, meist auf beiden Flussufern.
Kettenschifffahrt auf dem Neckar war eine spezielle Art der Schlepp-Schifffahrt, bei der sich Kettendampfer mit mehreren angehängten Schleppkähnen entlang einer im Fluss verlegten Kette zogen. In Eberbach soll sogar noch eine große Kette im Fluss liegen.
Im 19. Jahrhundert wurde dann zum Beispiel in Heilbronn mit dem Kanalbau begonnen. Zwischen Mannheim und Heidelberg wurden mehrere Kanäle und Schleusen gebaut. 1927 waren Kanäle auch im Bereich des unteren Neckars fertig, nun mit Schleusen. Und seither ist der Fluss immer wieder massiven Eingriffen des Menschen ausgesetzt. Der Wasserstand wird wegen der Schifffahrt reguliert. An einigen Stellen hatte man einen Alt-Arm stehen lassen. Deshalb gibt es in unserer Region heute Flachwasserzonen, Abbruchkanten, ruhige Inseln, Auen, die seit Jahrzehnten in einigen Abschnitten naturbelassen sind.
Die 70er Jahre des letzten Jahrhunderts waren Höhepunkt der Wasserverschmutzung! Mit der Folge, dass Fische starben und Vögel verendeten. Seit dieser Zeit kämpfen Naturschützerinnen und Naturschützer für den Erhalt dieser Rest-Auen am Neckar. Für den Schutz der zum Teil sehr seltenen Tiere und Pflanzen... und wehren sich gegen Wachstum- und Bebauungsphantasien von Politik und Universität. 1976 forderten die Vogelfreunde Ladenburgs erstmals die Unter-Schutz-Stellung dieses Gebietes.
Es dauerte dann aber noch über 10 Jahre harter kontroverser Diskussionen, bis schließlich die Verordnung Unterschutzstellung vom Regierungspräsidenten unterschrieben und dann am 13. Februar 1987 im Gesetzblatt des Landes erschien und damit rechtskräftig war.
Da es sich nicht durchsetzen ließ, den ganzen unteren Neckar als einen „Gesamtbiotopverbund“ unter Schutz zu stellen, wurde der Untere Neckar als eines der ersten Biotopverbundsysteme in Baden-Württemberg ausgewiesen. Das heißt 6 relativ kleine Naturschutzgebiete, mit zusammen 187 Hektar, und 4 Landschaftsschutzgebiete mit zusammen 548 Hektar Fläche wurden am Ende von zähen Verhandlungen in die Verordnung aufgenommen. Die Naturschutzgebiete neckar-abwärts sind beginnend mit Altneckar-Wieblingen, dann Altneckar-Wörth-Weidenstücker in Edingen. Auch die Neckaraue zwischen Botzheimer Wasen und Oberer Wörth, sowie die Neckarschleife-Neckarplatten bei Ilvesheim und dem Naturschutzgebiet Wörtel unweit von Seckenheim. Als letztes ist auch die Maulbeerinsel in Mannheim-Feudenheim zu nennen, die vor allem aus kulturhistorischen Gründen geschützt ist. Insgesamt ist das Naturschutzgebiet Unterer Neckar ein Uferkorridor für die Lebewesen der Aue.
Nachdem 1987 der Altneckar zwischen Mannheim und Heidelberg unter Schutz gestellt worden war, forderten die Naturschutzorganisationen der Region von der zuständigen Stelle des Regierungspräsidiums die Erstellung eines Pflegeplans, wie es auch in der Schutzgebietsverordnung festgeschrieben ist. Ein Pflegeplan soll einerseits die bestehenden wertvollen Strukturen erhalten und andererseits nicht optimale Strukturen verbessern. Dieser lag dann erst im Jahre 2000 vor!
Die naturnahen Altwasserarme dienen über 300 Arten der Roten Liste Baden-Württembergs, darunter bedrohte Wasservögel, Fledermäuse, Libellen und Fische als Lebensraum. Und seit Anfang der 2.000er Jahre kehrte auch der Biber wieder in dieses Naturparadies zurück.
Anfang dieses Jahrhunderts wurde der Untere Neckar als europäisches Schutzgebiet, als FFH-Gebiet ausgewiesen (Flora-Fauna-Habitat-Gebiet). Nicht nur die NSG, sondern auch einige Teil des Landschaftsschutzgebietes, fast die Hälfte der Flussaue „unterer Neckar“ sind FFH-Gebiet : DE-6517-341 (Nummer 6517341)
Die FFH-Richtlinie (1992 beschlossen, seit 2018 gibt es eine Verordnung für alle FFH-Gebiete BW), verpflichtet die EU-Mitgliedstaaten zum länderübergreifenden Schutz wildlebender Pflanzen und Tiere sowie ihrer natürlichen Lebensräume, die als sogenannte FFH-Gebiete ausgewiesen sind. Sie gehören zu einem europaweiten Netzwerk der wertvollsten Naturschätze – Natura 2000 –, das sich von den Atlantikküsten über die Alpen bis zum Schwarzen Meer erstreckt.
Beim Unteren Neckar zwischen Heidelberg und Mannheim mit Auen und Vorländern handelt es sich um eine einzigartige Flusslandschaft im Ballungsraum mit Inseln, Kies- und Sandbänken, Flach- und Stillwasserbereichen, Altarmen, Prall- und Gleitufern, reichstrukturierter Vegetation und artenreicher Tierwelt.
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